Liebe Leopoldsdorferinnen und liebe Leopoldsdorfer!

Mit dem Aschermittwoch beginnen wir die Fastenzeit. In dieser Zeit wird „Umkehr“ in und von der Kirche angesagt. Diese Aufforderung scheint in unseren Tagen nicht so recht anzukommen.

Umkehr - damit verbinden wir wohl die unterschiedlichsten Gedanken und Erfahrungen. Da sind auch unangenehme Erinnerungen und Gefühle dabei: Wenn ich als Wanderer in den Bergen oder als Autofahrer auf der Straße umkehren muss, dann sind da erstmal Enttäuschung, Wut und Ärger. Ich muss mir eingestehen, dass ich auf „dem falschen Weg“ bin. Ein Grund kann sein, dass ich ungenügend informiert war, Hinweisschilder übersehen oder sogar falsch verstanden habe.

Es kann aber auch sein, dass ich erkennen muss, dass ich auf diesem Weg auf Begrenzungen gestoßen bin, die ich zwar nicht selbst verursacht habe, die ich jedoch nicht so locker überwinden, durchbrechen kann. Es kann auch sein, dass ich durch dieses Umkehren - Müssen viel an Zeit verliere, einen anderen Termin verpasse und mein Ziel eben nicht erreiche...

Umkehr kann im Gegenzug auch etwas sehr Vernünftiges, Befreiendes sein. Umkehren ist weder eine Schande, noch ein Zeichen mangelnden Mutes, denn in diesem Sinn kann Umkehr etwas sehr Notwendiges für uns Menschen sein. Sie kann sogar lebensnotwendig sein, um so mein Ziel sicher erreichen zu können.

Wir sind in der Fastenzeit von Jesus zur Umkehr aufgerufen.

Könnte es nicht sein, dass auch für mich in meinem Leben, in meinem Denken und Handeln, auf meinen Lebenswegen auch so etwas wie Innehalten, Überprüfen, Umkehren und Richtungsänderung angesagt sind?

Könnte es nicht sein, dass ich deutlich spüre - es stimmt in manchen Bereichen etwas nicht mehr so, irgendetwas liegt „quer“, raubt mir jegliche Motivation und Lebensfreude.
Umkehren, heißt für mich auch ganz konkret in alltäglichen Dingen, in meinem Lebensumfeld bewusst hinzuschauen, aufmerksam zu werden, wo eben etwas nicht stimmt, wo ein Schritt zueinander sehr hilfreich werden könnte.
Umkehren bedeutet auch ein Zugehen auf einen anderen, weil etwas zwischen unserer Beziehung liegt. Doch oft lassen es mein Hochmut und Stolz nicht so leicht zu, um ein klärendes Gespräch zu bitten oder zu sagen: „Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht verletzen, dir nicht zu nahe treten“.

Umkehren…. Das ist nicht immer einfach, denn es ist schwer Vertrautes und Gewohntes loszulassen.
Eine Geschichte will uns das verdeutlichen:

Ein Mann sitzt in einem Bummelzug. Bei jeder Station steckt er den Kopf zum Fenster hinaus, liest den Ortsnamen und stöhnt. Nach vier oder fünf Stationen fragt ihn sein Gegenüber besorgt: „Tut Ihnen etwas weh? Sie stöhnen so entsetzlich.“ Da antwortete er: „Eigentlich müsste ich aussteigen. Ich fahre dauernd in die falsche Richtung. Aber hier drinnen ist es so schön warm.“

Liebe Leopoldsdorferinnen und liebe Leopoldsdorfer!
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Fastenzeit. Ich wünsche Ihnen auch ein gesegnetes Osterfest und Gottes Liebe und Schutz auf all Ihren Wegen.
Ihr Pfarrer Mag. Edward Keska